Menschen auf der Flucht

Im Schnelldurchlauf:

Woher kommen die vielen Menschen, die in den letzten Jahren in München angekommen sind?

Warum flüchten Menschen?

"Stell dir vor, in Deutschland gäbe es Krieg. Jeden Tag hättest du Angst um dich und deine Familie. Deine Freunde beschließen nach und nach, das Land zu verlassen. Schließlich sucht auch deine Familie das Glück in einem anderen Land. Das ist nur ein Grund, warum Menschen aus ihrer Heimat fliehen. Viele fliehen, weil es Konflikte in den Ländern gibt und viele aufgrund von Verfolgung. Dabei sind Flüchtende, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden, wegen einer Hungersnot oder einer Diktatur. Ein Teil von ihnen flieht nach Europa. Die Flüchtlinge reisen mit Flugzeugen, Schiffen oder zu Fuß. Sie bezahlen dann sogenannten „Schleppern“ viel Geld, um nach Europa zu kommen. So gelangen die Flüchtenden in überfüllten, oft kaputten Booten auf hohe See. Viele Boote kentern im Meer. Wenn die Menschen Glück haben, werden sie von einem Schiff an Bord geholt und an Land gebracht." (Kinderreporter Vi)

Im Jahr 2014 waren über 50 Millionen, im Jahr 2019 sogar 79,5 Millionen Menschen weltweit auf der Flucht. Das sind ungefähr soviele Menschen, wie in Deutschland wohnen.

Warum kamen gerade in München so viele Flüchtlinge an?

Zwischen den Sommermonaten 2015 und Februar 2016 reisten jeden Tag tausende Menschen über Südeuropa nach Österreich oder Deutschland. Sie kamen aus Ländern, in denen es Krieg gibt oder lebensbedrohliche Krisen wie in Syrien, Afghanistan, Irak und Eritrea. Viele der fliehenden Menschen wollen gezielt nach Deutschland, weil sie hier schon Menschen kennen oder Verwandte haben. Da sie aus dem Südosten Europas anreisten, kamen sie als erstes nach Bayern. Die flüchtenden Menschen wurden aber auf möglichst viele Städte verteilt, so dass einzelne Orte wie München oder Passau nicht überfordert waren – und es gleichzeitig den Flüchtlingen gut gehen sollte.

Asyl ...ein neues Zuhause

Die Menschen auf der Flucht suchen ein neues Zuhause: Auf griechisch heißt das „Asyl“. Und deshalb heißt der Antrag, den sie stellen müssen, wenn sie in Deutschland ein neues Zuhause finden wollen, „Asylantrag“.  Wenn Menschen wegen ihrer Religion oder ihrer politischen Meinung in ihrem Heimatland nicht mehr sicher sind, dann dürfen sie z.B. bleiben. Aber nicht alle, die es bis nach Deutschland geschafft haben, dürfen einfach hier wohnen und leben bleiben. Wenn sie arm sind oder keinen Job in ihrem Heimatland finden, dann reicht das nicht als Grund aus.

München - das neue Zuhause?

Wird ein geflohener Mensch als Asylbewerber oder Bewerberin anerkannt, darf er oder sie erst mal drei Jahre lang in Deutschland bleiben. Jetzt dürfen die Erwachsenen auch arbeiten und Geld verdienen. Viele müssen aber erst mal einen Sprachkurs machen, um überhaupt Deutsch zu lernen. Auch sogenannte „Integrationskurse“ stehen auf dem Programm: Hier sollen die Menschen, die jetzt in Deutschland leben, mehr über die Kultur, die Traditionen und die Geschichte des Landes lernen. Nach drei Jahren prüft erneut eine Behörde, ob den geflüchteten Menschen in ihrem Heimatland immer noch Gefahr droht. Wenn das so ist, dürfen sie in Deutschland bleiben.

Kinder aus Flüchtlingsfamilien gehen in die Schule. Meistens aber zuerst in besondere „Übergangsklassen“: Hier bleiben sie, bis sie gut genug Deutsch sprechen und im Lehrplan mitkommen, um dann in „normale“ Klassen zu gehen. In München gibt es fast 100 dieser Übergangsklassen an Grund- und Mittelschulen für ungefähr 1.500 Kinder. Vielleicht gibt es ja auch welche an deiner Schule?

Gemeinsam wohnen und warten

Weil es so viele Flüchtlinge gibt, dauert es oft lange Zeit, bis die Asylanträge bearbeitet werden können. So lange wohnen und leben die meisten in Gemeinschaftsunterkünften: Viele Menschen leben hier in deiner Stadt gemeinsam, z.B. in alten Kasernen der Bundeswehr oder Industriegebäuden, in Containeranlagen oder in Leichtbauhallen. Bis der Asyl-Antrag bearbeitet worden ist, ist es schwer für sie, eine Arbeit zu bekommen und eigenes Geld zu verdienen.

Balkanroute gesperrt

2015 machten sich tausende von Menschen aus den Kriegsgebieten im Nahen Osten auf in Richtung Europa: zu Fuß, mit Bussen, Taxis und Zügen. Ihre Reise verlief über Griechenland, Mazedonien und Serbien oder im östlichen Teil über die Türkei, Bulgarien und Rumänien in Richtung Zentraleuropa. Diese Route nennt man "Balkan-Route". Kleinere Länder wie Slowenien oder auch Österreich sind von der großen Anzahl an Flüchtlingen oft überfordert. Zuerst haben viele Länder die Flüchtlinge bzw. die Geflüchteten einfach weiterreisen lassen. Inzwischen haben viele ihre Grenzen geschlossen. Ungarn zum Beispiel hat sogar Zäune gebaut, um keine Flüchtlinge aufzunehmen. Österreich hat eine Obergrenze für Asylbewerber eingeführt. Im März 2016 haben viele der Länder, die auf der Balkan-Route liegen (Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Slowenien) beschlossen, dass sie nur noch Menschen mit gültigem Reisepass und Visum ins Land lassen. Das hatten die meisten Flüchtlinge nicht und konnten somit nicht einreisen oder durchreisen. Seitdem ist es so gut wie unmöglich für Flüchtende auf diesem Weg nach Europa zu gelangen.

Problem gelöst?

Seit März 2016 kommen viel weniger Flüchtenden bei uns an. Man könnte also meinen, dass die „Flüchtlingskrise“ somit bewältigt wäre. Aber dem ist nicht so: Die Gründe dafür, dass Menschen ihre Heimat verlassen, haben sich ja nicht verändert. Es ist für sie nur komplizierter geworden. Außerdem sitzen viele geflüchtete Menschen in Griechenland und der Türkei fest und hoffen weiterhin, nach Zentraleuropa weiterreisen zu können. Es wird auch befürchtet, dass sich es neue Flüchtlingsrouten geben wird - vielleicht die lebensgefährliche Reise mit dem Boots übers Mittelmeer nach Italien. 

So kannst du Flüchtlingen und Geflüchteten helfen...

Flüchtlinge oder Geflüchtete, die nach Deutschland kommen, um ein neues Leben zu beginnen, brauchen Unterstützung. Viele Erwachsene helfen: Sie spenden zum Beispiel Geld, sie verteilen Kleiderspenden oder fahren Geflüchtete mit ihrem Auto auch mal zu einem Arzttermin. Doch was können Kinder machen, wenn sie sich für Flüchtlinge engagieren wollen? Wie haben ein paar Vorschläge für dich:

  1. Spielsachen spenden: Die meisten Menschen haben auf ihrer langen Flucht nur das Nötigste mitnehmen können. So haben Flüchtlingskinder zum Beispiel oft nur ihr Lieblingskuscheltier dabei – und sonst keinerlei Spielzeug. Wenn du also selbst ein paar Spielsachen abgeben kannst, machst du Kindern, die geflüchtet sind damit sicher eine große Freude. Am besten bringst du es mit deinen Eltern in eine Flüchtlingsunterkunft – dann können die Spielsachen dort gerecht verteilt werden. Weil die meisten Flüchtlingskinder noch kaum Deutsch sprechen, ist besonders solches Spielzeug gut, für das man keine Anleitung durchlesen muss: also zum Beispiel Spielzeugautos, Puppen, Knobelspiele, Bauklötze oder auch ein Jo-Jo.
  2. Flohmarkt organisieren: Wenn du Geflüchteten ein bisschen Geld spenden möchtest, kannst du vielleicht auch etwas von deinem Taschengeld abtreten. Noch einfacher ist es aber, mit Freundinnen zusammen eine Aktion zu machen, durch die du etwas Geld sammelst: Du kannst zum Beispiel einen kleinen Flohmarkt organisieren oder mit deiner Klasse einen Kuchenverkauf machen – und die Einnahmen spendet ihr dann an geflüchtete Menschen.
  3. Beim Hausaufgaben-Machen helfen: Flüchtlingskinder gehen hier zur Schule. Das ist für sie am Anfang aber ziemlich schwer, weil alles für sie neu ist. Du kannst für sie an deiner Schule also sicher eine große Hilfe sein, wenn du ihnen ein paar schwierige Schulaufgaben nach der Schule noch mal langsam erklärst, ihnen beim Hausaufgaben-Machen hilfst und ihnen einfach ein bisschen Mut machst, dass sie das alles schon hinbekommen.
  4. Coole Spielplätze zeigen: München ist für Geflüchtete eine total unbekannte Stadt. Sie finden sich also hier noch nicht zurecht – so wie es vielleicht auch anderen geht, die aus einem anderen Bundesland herziehen. Also machst du Flüchtlingskindern einfach schon dadurch eine große Freude, dass du ihnen coole Orte in München zeigst: also ihnen zum Beispiel Tipps gibst, wo sie die besten Spielplätze finden oder wo sie ungestört Fußball spielen können.
  5. Gemeinsam basteln: Wenn Flüchtlinge noch wenig Deutsch sprechen können, weiß man manchmal nicht genau, wie man mit ihnen umgehen soll. Aber vielleicht kannst du mit ihnen einfach Dinge machen, bei denen man nicht miteinander sprechen muss und dennoch etwas gemeinsam macht und Spaß hat. Es gibt viele Sachen, die da in Frage kommen: Man kann gemeinsam Sport machen, aber auch zusammen musizieren oder basteln: Papierflieger-Bauen geht zum Beispiel immer! Wenn du etwas zusammen mit den Kindern unternimmst, fühlen sie sich hier nicht mehr so fremd und allein – und das ist oft viel wichtiger als jede Geldspende.
  6. Gemeinsam kochen: Wenn du deine Eltern oder Lehrer zu einer kleinen gemeinsamen Koch-Aktion mit Flüchtlingen überredest, kannst du auch selbst etwas Neues entdecken: Fast alle Geflüchteten haben spannende Essens-Rezepte aus ihren Heimatländern im Kopf, die man mal zusammen ausprobieren kann.
Die Seite wurde am 15.09.2015 erstellt und am 24.03.2021 verändert.