Türchen #9

Die Rauhnächte (Teil 1)

Wie du sicher schon bemerkt hast, sind die Nächte über das Jahr verteilt unterschiedlich lang. Im Sommer kann man oft bis nach 9 Uhr am Abend noch draußen sitzen und lesen, aber im Winter ist es mehrere Wochen lang oft schon vor 5 Uhr am Nachmittag dunkel. Dass die Nächte unterschiedlich lang sind, hat nicht nur damit zu tun, dass zweimal im Jahr die Uhren umgestellt werden (es gibt eine Sommer- und Winterzeit), vielmehr liegt es daran, dass die Erde ein ganzes Jahr braucht, um einmal die Sonne zu umkreisen. Und weil das kein wirklicher Kreis ist, sondern die Umlaufbahn eher eiförmig verläuft und die Erde außerdem ein bisschen „schief“ steht, darum gibt es unterschiedlich lange Nächte.

Jetzt fragst du dich vielleicht: Was hat denn das alles jetzt mit Weihnachten und dem Adventskalender zu tun?

Ganz einfach: Die längste Nacht ist jedes Jahr immer zwei bis drei Tage vor Heiligabend, und zwar am 21. oder auch 22. Dezember. An diesem Tag verschwindet die Sonne schon sehr früh hinter dem Horizont, und dementsprechend lang ist es dann Nacht – und dunkel.

Heutzutage ist das ja kein Problem, denn wenn es draußen dunkel wird, dann drückt man auf den Schalter – und schon geht das Licht im Zimmer an. Kein Grund, um Angst zu haben!

Aber jetzt stell dir mal vor, wie das damals war, als es noch keinen Strom gab. Als es noch keine so großen Städte gab und die Menschen oft mehrere Kilometer weit von ihrem Nachbarn entfernt wohnten – und dazwischen gab es viele tiefe dunkle Wälder. Damals hatten die Menschen als einzige Lichtquelle im Haus oft nur den Kamin oder Kerzen. Die konnte sich aber auch nicht jeder leisten, und so mussten viele Menschen, besonders die, welche auf dem Land lebten, die Nächte oft im Dunkeln verbringen. Sie konnten dann natürlich auch kein Buch lesen, um sich abzulenken, weil es war ja dunkel. Und im Fernsehen lief auch nichts Gescheites... Ach ne, Fernsehen gab es ja noch gar nicht! Oder Computer! Oder Handys!

In diesen sehr finsteren Zeiten damals entstanden die Mythen und Sagen rund um die Rauhnächte. Vielleicht hast du davon ja schon einmal gehört. Woher der Name „Rauhnacht“ ganz genau kommt, da ist man sich nicht so einig. Eine Erklärung ist auf jeden Fall, dass es von dem alten deutschen Wort „rûch“ kommt, das bedeutet „haarig“. Die „haarigen Nächte“ also.

Die Menschen früher waren noch viel gläubiger als wir heute. Da saßen sie nun, in ihren dunklen alten Häusern, die viel aus Holz gebaut waren und darum gequietscht und geknarzt haben, und womöglich standen die Häuser auch noch am Waldrand oder gar im Wald selbst. Und weil die Menschen damals auch sehr abergläubisch waren, darum hatten sie Angst, dass draußen in der kalten und dunklen Nacht pelzige und haarige Monster und Dämonen ihr Unwesen trieben. Zu der damaligen Zeit entstanden viele Geschichten über all diese Wesen, die draußen im verschneiten Wald ihr Unwesen treiben, und ein paar dieser Geschichten gibt es heute noch, wie zum Beispiel die um die Perchten oder den Krampus.

Ganz schön gruselige Zeit damals, oder?

Wenn du ein paar der Geschichten und Sagen lesen willst, dann musst du auch weiterhin fleißig unseren Adventskalender besuchen. Vielleicht steht da ja nochmal was drin...

Die Seite wurde am 03.12.2021 erstellt und am 16.12.2021 verändert.